Schatzjagd in düsteren Wäldern und den Irrgärten des Großstadtdchungels – Die sagenhaften Odysseen der Glücksritter Dr. Jones und Big Exit

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  • #6910759  | PERMALINK
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    Dr. Jones

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    A Case of Grenada – Ouch Ouch

    Die nächste Truppe, die mir Big Exit schmackhaft machen will, liefert entgegen ihres Bandnamen nicht den Soundtrack zum nächsten Winterurlaub an karibischen Stränden, sondern herzhaften Hardcore/Screamo. „Ouch Ouch“ (wer kommt auf solche Titel?) überzeugt mit leicht vertrackten, aber eingängigen Gitarren, die vom vibrierendem Bass ummantelt werden, und dem variablem Gesang irgendwo zwischen Emo und Screamo. Sehr gut gefallen mir die vielen Rhythmuswechsel, welche dem Song eine mitreßende Dynamik verleihen und der Langeweile gepflegt ins Gesicht spucken. Die Schlussminute wird von schwirrenden Gitarrenlinien und brachialen Drum/Gitarren-Gewittern dominiert und bietet eine gelungene Ausleitung.
    Definitiv ein cooles Stück Musik, das mir viel Spaß gemacht hat.
    7,5/10

    Poison the Well – Nagaina

    Poison the Well waren mir namentlich bereits vorher geläufig, sind ja auch recht populär, wenn ich mich nicht täusche. „Nagaina“ beginnt mit einem lässigem Blues Rock-Riff und einer weiteren seufzenden E-Gitarre. Die erzeugte Atmosphöre versetzt mich direkt auf einen spärlich befahrenen amerikanischen Highway, wo ich gemächlich mit der Feierabendkippe im Mundwinkel dem Sonnenuntergang entgegenfahre. Der charismatische Klargesang bietet die perfekte stimmliche Ergänzung zur staubtrockenen Rockigkeit der Musik. Sehr geil finde ich die Bridge, die mit Synthie-Orgeln, prägnanten Gitarren-Akzenten und angekratzten Shouts ein wahrer Ohrenschmaus geworden ist. Nach der zweiten Strophe verdichtet sich die Atmosphäre durch einen Anstieg des Härtegrads, der die vorherige Atmosphäre mit einer dramatischen Note verfeinert. Hier prallen Hardcore-Shouts auf knirschende Gitarren, peitschende Drums und Prärie-Keyboards.
    Ich muss sagen, dass ich echt begeistert vom Stück bin. Hier stimmt vom Songwriting bis zum Gesang einfach alles, weshalb es von mir auch die Höchstnote gibt. Muss ich unbedingt kaufen.
    10/10

    This or the Apocalypse – Mauna Kea

    Man braucht nur die ersten paar Takte zu hören, um zu wissen, was einen mit This or the Apocalypse erwartet: Metalcore. Die Riffs im Spannungsfeld zwischen MeloDeath und NWoBHM im fettem und modernem Soundgewand lassen diese Assoziation in Windeseile aufkommen. Bemerkenswert ist die technische Versiertheit der Truppe; die Riffs werden im Eiltempo vom Griffbrett geschossen, der Drummer massakriert die Felle in Maschinengewehr-Manier, nur den Bass kann ich irgendwie nicht ausmachen. Der Sound ist von den melodischen Metalcore-Gitarren, fetten Stakkato-Breakdowns und monotonen Schrei-Vocals geprägt. Insgesamt ist der Song auch eine unterhaltsame Angelegenheit, auch wenn man die Band mit Sicherheit nicht als „herausragend“ bezeichnen kann. Außerdem hatte ich irgendwie durchgehend das Gefühl, Dragonforce auf Metalcore zu hören.
    6/10

    #6910761  | PERMALINK
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    Big Exit

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    Bin nicht so der geborene Reviewer, aber hier mal meine ersten Eindrücke. Gerade die ersten beiden SOngs gefielen mir sehr. Wobei ich bei komplexer/experimenteller Musik es mir immer noch wichtig ist das sie nach etwas Reinhören angnehm zu hören und emotional ist, weshalb der dritte Song noch mehr zeit braucht um meine Gunst zu gewinnen oder allgemein niederiger in meiner Gunst steht.

    Kaya Dot – Über die hab ich schon viel gutes gehört, bin mal gespannt. Das Ganze fängt sehr atmospährisch post-rockig an und geht dann in wunderbaren Klargesang über der mich etwas an Anathema erinnert. Sehr ansprechend zu hören da hätte ich viel Sperrigeres erwartet, da ich als Genre für die Band oft AvantgardeM-etal mitbekommen habe. Sehr angenehme lautere Ausbrüche im zweiten Drittel lassen das ganze deutlich härter werden. Wird dann wieder trügerisch ruhiger setzt dabei aber auch abrupte Laut-Leise-Wechsel. Sehr angenehm zu hören der Song! 9/10

    Thy Catafalque – So jetzt erwartet mich ein richtig episches Stück 14 minuten. Beginnt glich mit wunderschönem klaren Frauengesang und einer angenehmen esoterischen Stimmung (keine Ahnung wie ich das sonst nennen soll). Dann wirds wieder angenehm härter. Wunderbarer romantischer männlicher Klargesang setzt ein. Deutlich härterer Part mit einer Symphonic BM Atmosphäre setzt ein, der dann aber wieder fließend in den wunderbaren Klargesang übergeht. Sehr schöne Spannungsbögen und Songstrukturen. So wohl die melodischen Parts als auch die schnellen chaotischen-düsteren-knüppelnden Parts wissen zu überzeugen. 9/10

    Ved Buens Ende – Hm wo die Sachen davor sehr harmonisch waren ist dieser Song deutlich vertrackter und jazziger. Auch der Flüstergesang ist ungewohnt. Der erste harte Part ist dann auch deutlich schräger als bei den anderen Songs. Gesanglich sehr eigen und interessantes Schlagzeug.Zum ENde hin kommt ein recht anstrengender Part mit verzerrten Piano der mir quer im Ohr liegt. Mir insgesamt noch etwas zu schräg 8/10

    Anna Calvi – guter Ruhepol als Ausgleich zu den etwas komplexer zu hörenden Sachen. Schöner vielschichtiger Elektro-Pop. Sehr schön viel mehr fällt mir dazu nicht ein, sehr ansprechende chillige Beats und tolle Sängerin. 🙂

    #6910763  | PERMALINK
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    Dr. Jones

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    Das liest sich schon mal sehr gut 🙂
    Wenn du die avantgardistischen Brocken von Kayo Dot hören willst, dann empfehle ich dir das aktuelle Album Hubardo, dort geht es teilweise sehr vertrackt und überbordend zur Sache. Ansonsten, wenn du mehr Richtung Sampler-Song hören willst, dann gönne dir das Album Choirs of the Eye. Hier mal eines der sperrigeren Stücke von Hubardo:

    Und noch ein kleiner Bonus (Und weil der Song einfach nur toll ist):

    Der Thy Catafalque-Song ist eines meiner absoluten Lieblings-Stücke. Der Aufbau des Songs ist einfach nur grandios und hat seinen Höhepunkt im elektronischem Black Metal-Wahnsinn des letzten Drittels. Einfach nur eine tolle Band, dazu eine markante und einzigartige Stimme und ein unverwechselbarer Sound. Höre dir am besten die beiden Alben Rengeteg und Róka Hasa Rádió im Komplettem an.

    Bei Ved Buens Ende wundert es mich ein wenig, dass sie mit 8 Punkten doch ziemlich gut davonkommen. Habe ich jetzt nicht unbedingt erwartet, dass dir deren Proto-Post-BM-Gebräu so sehr zusagt 🙂 Auch eine großartige Band, die sich bereits früh vom Black Metal-Einerlei hervorheben konnte.

    Anna Calvi ist eine kleine Indie-Perle, die ich letztes Jahr entdeckt habe. Ihr gelingt es scheuklappenfreien Pop mit lärmigen Experimenten zu vermengen, aber trotzdem die Trommelfelle dabei zu umgarnen. Höre dir auf jeden Fall das letzte Album One Breath an. Dieser Song hier hat es mir zudem äußerst angetan:

    #6910765  | PERMALINK
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    Johnny Truant – Throne Vertigo

    Oha, jetzt wird es doch ein wenig stumpf. Johnny Truant lenken den ahnungslosen Hörer mit den eröffnenden epischen Alternative/Punk Rock-Melodien ein wenig auf die falsche Fährte, denn musikalisch gilt hier größtenteils „Voll auf die Zwölf“. Sämtliche Feinfühligkeit wird mit moshwürdigen Hardcore-Geriffe und derbem Geshoute/Gebrülle weggedonnert. Stellenweise lässt sich auch eine Affinität zum Post-Hardcore ausmachen, vor allem zu Beginn und im Mittelteil hat sich im Gesang eine verzweifelte Note eingeschlichen und die Gitarren prügeln weniger stumpf durch das Gehölz, sondern wirken teilweise gar verspielt. Auch ein paar dissonante Einschübe dürfen sein. Schön. Zum Schluss wird nochmal ein Feuer im Moshpit abgefackelt und den Prügelwütigen, nunja, Grund zum Prügeln gegeben.
    Ganz coole Nummer, aber insgesamt dann zuviel „Real Hardcore“ für mich 😉
    7/10

    The Bled – I Never Met Another Gemini

    Nach der Dosis Dresche gibt es jetzt wieder komplexeren Hardcore auf die Lauscher. Der Song ist trotz seiner Progressivität wunderbar räudig geraten, dafür muss man die charmant rumpelnde Produktion als Schuldigen heranziehen. Wie für Post-Hardcore üblich, limitiert sich die Band nicht darauf, monotonen Standard-Hardcore runterzuschrubben, sondern überzeugen mit gekonnten Tempowechseln und emotionalen Talfahrten. Melancholische Gitarren-Linien entwickeln sich zu räudigen Hardcore-Riffbergen, der Gesang wechselt vom Sludge/Black Metal-Hybriden zu tröstenden und umarmenden Clear-Vocals. Ich muss an dieser Stelle auch nochmal erwähnen, wie mächtig das Riff kurz nach Minute eins ist. Brachial!
    The Bled konnten mich vollends überzeugen, starkes Songwriting und starke Umsetzung. Gefällt.
    9/10

    The Rise – The Fallacy Of Retrospective Determinism

    Haha, was geht denn jetzt ab? The Rise schlagen ganz ungewohnte Töne an und fallen vollständig aus dem Raster, aber das im positivem Snne. Die Band bietet ihre ganz eigene Interpretation des mit Elektronik aufgepepptem Post-Hardcore an und kann damit vollständig überzeugen. Wem jetzt „hipper“ Nintendocore in den Sinn kommt, den kann ich getrost entwarnen. Irgendwelche Geschmacksverwirrungen in Form von pseudo-harten Gitarren, penetranten Disco-Beats und Autotune-Vocals finden hier nicht statt. Für mich ein wahrer Hörgenuss, wie die Band von chilligen elektronischen Loops, lässigen Rap-Parts zum straighten Hardcore ohne viel Firlefanz wechselt. Die Vermengung dieser Zutaten wirkt zu jeder Sekunde homogen und keineswegs zu verkopft. Interessante und außergewöhnliche Band, die mir als Liebhaber verquerer Kost viel Spaß gemacht hat.
    9/10

    #6910767  | PERMALINK
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    Big Exit

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    Dr. JonesJohnny Truant – Throne Vertigo

    Oha, jetzt wird es doch ein wenig stumpf. Johnny Truant lenken den ahnungslosen Hörer mit den eröffnenden epischen Alternative/Punk Rock-Melodien ein wenig auf die falsche Fährte, denn musikalisch gilt hier größtenteils „Voll auf die Zwölf“. Sämtliche Feinfühligkeit wird mit moshwürdigen Hardcore-Geriffe und derbem Geshoute/Gebrülle weggedonnert. Stellenweise lässt sich auch eine Affinität zum Post-Hardcore ausmachen, vor allem zu Beginn und im Mittelteil hat sich im Gesang eine verzweifelte Note eingeschlichen und die Gitarren prügeln weniger stumpf durch das Gehölz, sondern wirken teilweise gar verspielt. Auch ein paar dissonante Einschübe dürfen sein. Schön. Zum Schluss wird nochmal ein Feuer im Moshpit abgefackelt und den Prügelwütigen, nunja, Grund zum Prügeln gegeben.
    Ganz coole Nummer, aber insgesamt dann zuviel „Real Hardcore“ für mich 😉
    7/10

    The Bled – I Never Met Another Gemini

    Nach der Dosis Dresche gibt es jetzt wieder komplexeren Hardcore auf die Lauscher. Der Song ist trotz seiner Progressivität wunderbar räudig geraten, dafür muss man die charmant rumpelnde Produktion als Schuldigen heranziehen. Wie für Post-Hardcore üblich, limitiert sich die Band nicht darauf, monotonen Standard-Hardcore runterzuschrubben, sondern überzeugen mit gekonnten Tempowechseln und emotionalen Talfahrten. Melancholische Gitarren-Linien entwickeln sich zu räudigen Hardcore-Riffbergen, der Gesang wechselt vom Sludge/Black Metal-Hybriden zu tröstenden und umarmenden Clear-Vocals. Ich muss an dieser Stelle auch nochmal erwähnen, wie mächtig das Riff kurz nach Minute eins ist. Brachial!
    The Bled konnten mich vollends überzeugen, starkes Songwriting und starke Umsetzung. Gefällt.
    9/10

    The Rise – The Fallacy Of Retrospective Determinism

    Haha, was geht denn jetzt ab? The Rise schlagen ganz ungewohnte Töne an und fallen vollständig aus dem Raster, aber das im positivem Snne. Die Band bietet ihre ganz eigene Interpretation des mit Elektronik aufgepepptem Post-Hardcore an und kann damit vollständig überzeugen. Wem jetzt „hipper“ Nintendocore in den Sinn kommt, den kann ich getrost entwarnen. Irgendwelche Geschmacksverwirrungen in Form von pseudo-harten Gitarren, penetranten Disco-Beats und Autotune-Vocals finden hier nicht statt. Für mich ein wahrer Hörgenuss, wie die Band von chilligen elektronischen Loops, lässigen Rap-Parts zum straighten Hardcore ohne viel Firlefanz wechselt. Die Vermengung dieser Zutaten wirkt zu jeder Sekunde homogen und keineswegs zu verkopft. Interessante und außergewöhnliche Band, die mir als Liebhaber verquerer Kost viel Spaß gemacht hat.
    9/10

    Jo dieser Block viel mehr oder weniger auch grob in die experimentelle Metalcore-Ecke.

    Johnny Truant würd ich schon in die Tech Metalcore-Ecke packen ich find die zaubern schon einige feine vertrackt-atmosphärische Melodien aus dem Hut. 🙂

    Der Song ist eigentlich auch recht repräsentative, stumpf find ich die Shouts aber nicht eher eine sehr eigene Scream-Variante.

    The Bled sind eine meiner Lieblingsbands 🙂 Die beiden ersten Alben sind so in der Schnittmenge Tech Metalcore/Post-Hardcore absolute Leckerbissen 🙂 Gerade den Gesang und die Songstrukturen sind einfach nur grenz genial. Der Song ist vom Debüt mit dem ich anfangen würde danach auch das zweite Album checken. Ist noch mal deutlich experimenteller und hat einen gewissen Muse-Einschlag 🙂
    Die danach sind dann nicht mehr soo toll.

    The Rise sind auch sehr fein durch den gut umgesetzten Elektroeinschlag, übrigens mit Trail Of Dead Leuten dabei, was für Qualität spricht.

    #6910769  | PERMALINK
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    Danke für die Rückmeldung 🙂
    Johnny Truant empfand ich im Vergleich zum bisherigen Sampler als die stumpfeste Band. Klar ist es kein reines Geprügel, aber besonders subtil ist die Musik dann doch nicht.
    The Bled und The Rise wandern auf jeden Fall auf meine Einkaufsliste. Die konnten beide den experimentellen Hardcore bieten, den ich mir ja gewünscht habe 🙂

    #6910771  | PERMALINK
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    Khonsu – In Otherness Ein trügerisch ruhiges Elektro-Intro wird von einem heftigen Shoutpart unterbrochen. Was mir gleich positiv auffällt ist der grandiose Schlagzeuger, der Rest erinnert an eine progressive Version von Symphonic Metal. Sowohl der Klargesang als auch die Growls gefallen mir, auch die immer wieder im Hintergrund auftauchenden Elektro/Atmo-Parts sprechen mich an 🙂 Wenn man sich reingehört hat sehr angenehm zu hören also komplex aber nicht zu abgedreht. 8/10

    #6910773  | PERMALINK
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    Arcturus – For To End Yet Again
    Sehr schöne atmospährisches und abwechslungsreiches Stück 🙂 Musste mich erst an den Gesang und den Sound gewöhnen gefällt mir aber sehr gut. Gerade die verspielten Pianoparts sind schön und dann der Ausbruch bei 06:25. (Sind die eigentlich immer eher ruhig gehalten? Oder gibt es auch Alben mit vielen solcher harten Parts). Viel harmonischer und eingängiger als ich bei Avantgarde-Metal mit dem ich den Namen verbinde erwartet hätte. Schon sehr experimentell aber gut hörbar. 9/10

    #6910775  | PERMALINK
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    Big ExitArcturus – For To End Yet Again
    Sehr schöne atmospährisches und abwechslungsreiches Stück 🙂 Musste mich erst an den Gesang und den Sound gewöhnen gefällt mir aber sehr gut. Gerade die verspielten Pianoparts sind schön und dann der Ausbruch bei 06:25. (Sind die eigentlich immer eher ruhig gehalten? Oder gibt es auch Alben mit vielen solcher harten Parts). Viel harmonischer und eingängiger als ich bei Avantgarde-Metal mit dem ich den Namen verbinde erwartet hätte. Schon sehr experimentell aber gut hörbar. 9/10

    Arcturus sind für Avantgarde-Verhältnisse beinahe Easy-Listening. Das macht aber nichts, da die Band einen unglaublich eigenständigen und einzigartigen Sound fährt, weshalb es auch kein Wunder ist, dass man sich erstmal dran gewöhnen muss. Außerdem ungewöhnlich für eine Metal-Band, dass das Keyboard das Lead-Instrument ist, während die Gitarren nur Beiwerk und rhythmisches Fundament sind. Die Keyboard-Passagen sind dabei äußerst virtuos und erzeugen mit Beihilfe des klinischen Sounds eine wunderbare Lost-In-Space-Atmosphäre. Eine gesunde Dosis Härte ist eigentlich immer vorhanden, übertreiben tun sie es aber nicht, man ist eher auf Atmosphäre bedacht. Ich vermute mal, dass du dich bei dem Ausbruch ziemlich erschreckt hast, denn der kommt ziemlich unerwartet 😉
    Ich persönlich höre nur die Sham Mirrors und die La Maquerade Infernale regelmäßig, das Debüt ist mir zu sehr Black Metal und produktionstechnisch auch zu schwachbrüstig und auf der Sideshow Symphonies singt dieser ICS Vortex und ich kann mir seine Stimme nicht wirklich lange antun.

    Edit: Von mir kommt heute oder morgen auch noch was; ich habe dich nicht vergessen, keine Sorge 😉

    #6910777  | PERMALINK
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    Dr. JonesEdit: Von mir kommt heute oder morgen auch noch was; ich habe dich nicht vergessen, keine Sorge 😉

    Die nächsten 5 Songs vom Sampler kommen aus der Chaotic Hardcore Schiene, schon etwas stressiger aber du hörst ja eh im Moment gern Math/Chaoscore 🙂

    #6910779  | PERMALINK
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    Yeah, 6 weitere Songs sind geschafft. Viel Spaß beim Lesen ^^

    The Number Twelve Looks Like You – Sleeping With the Fishes, See?

    Bescheuerte Songtitel, Runde drölfzig. Wenn ich die Fischrasse raten müsste, mit der die Band zu schlafen bevorzugt, würde mein erster Tipp nicht auf zahme Guppys fallen, sondern eher Richtung Barrakudas, die man in Tante Trudis Wohnzimmeraquarium ausgesetzt hat, tendieren. Wie man jetzt vielleicht vorausahnen kann, haben wir es hier mit keinem schluffigem Emocore zu tun, sondern mit durchgeknalltem Mathcore. Hier passiert eine ganze Menge, jedoch schafft es die Band einen roten Faden erkennen zu lassen und verhindert, dass die Riff- und Rhythmus-Kulminationen nicht vollends aus dem Ruder laufen. Durch das groovende Fundament und das Einbringen von Hooks (wenn man das rhythmische Rumgeschreie so nennen will) bleibt man ganz gut am Ball und kann die schrapnellartigen Riffgeschosse verschiedenster Kaliber auf sich zudonnern lassen. Im letztem Drittel ertönt ein harmonischer Chill-Part mit locker-flockigem Bass-Spiel und Kreisklasse-Klargesang, wodurch nochmal etwas Variation ins Spiel gebracht wird.
    Insgesamt ein kurzweiliger Track, der sich trotz all des Chaos recht gut einbrennen konnte. An der Hit-Fabrik von The Dillinger Escape Plan kann die Truppe damit zwar nicht mal ansatzweise rütteln, aber das sollte auch nicht der Maßstab sein, sonst könnte ich ja gleich mit der Musiksuche aufhören.
    7/10

    Since By Man – Push the Panic

    Yeah, push the panic! Wenn eine Band bereits im Songtitel Chaos und Anarchie propagiert, muss die Musik ja gut sein. Ich packe also Schlagknüppel und Schutzausrüstung ein und stelle mich der musikalischen Revolte. Kaum steige ich aus meinem panzerplattenbewehrten Einsatzfahrzeug, schon schlägt mir die Menge ein paar wutschäumende Zeilen um die Ohren, damit ich mich gleich wieder dorthin verpiesel, wo ich hergekommen bin. Vielen Dank auch für den netten Empfang. Ich glaube jedoch an meine Mission und stelle mich tapfer der tobenden Meute. Falsche Entscheidung, denn augenblicklich klatschen mir die ersten dissonanten und massiven Riffs ins Gesicht. Mein Hartplastikschutzschild schützt mich zwar vor den böswillig geschleuderten Geschossen, jedoch nicht vor den schmerzenden Worten des Pöbels. Versucht der Typ da gerade zu rappen? Mehr Oldschool-Street-Style geht ja wohl nicht. Für einen kurzen Moment legen sich die Wellen und statt Hass und Verachtung regnet was anderes auf mich ein. Ist das ein Plüsch-Hase? Irgendwie wirkt dieses Aggressionsleck deplatziert und ich fühle mich wie im falschem Film. Das kann doch nur eine Falle sein! Und tatsächlich, mein untrüglicher Sinn für subtile Manipulation hat mich nicht getäuscht. Noch wütender als zuvor peitscht das Rudel wildgewordener Gestalten auf mich ein, lässt eine weitere Dosis scharfkantiger Riffs auf mich herabprasseln und schleudert mir unbarmherzig die gewichtigen Parolen ins Gesicht. Ich stemme mich den Menschenmassen entgegen, werde jedoch von der Flut kollektiver Wut und Abscheu ergriffen und niedergetreten, wie der gescholtene Hund des Nachbarn. Autsch.
    8,5/10

    Every Time I Die – Ebolarama

    Die nächste Band kannte ich bereits vorher, jedoch hatte ich die immer als mediokren Hardcore in Erinnerung, weshalb mich das Auffinden dieser Formation im Chaoscore/Mathcore-Segment doch überrascht hat. Ja, gut, auch nach dem Hören bin ich immer noch verwundert aufgrund der Kategorisierung von Big Exit. Nur weil man ein paar Töne dissonant verzerrt, ist die Musik nicht automatisch vertrackt. Trotzdem war meine vorherige Einordnung auch falsch, denn Mittelmaß ist das bei weitem nicht. Tatsache ist, dass wir hier unglaublich fetten, modernen Hardcore haben, der einen den Schmalz aus den Gehörgängen pustet. Gezielt werden die dicken Grooves auf die Synapsen geschickt und automatisch wird der Zappel- und Abgeh-Modus aktiviert. Satt und unwiderstehlich wildern die Riffs in Harmonie mit den angepissten Vocals durch die Hirnbotanik. Das ist eigentlich die Art von Musik, wo man gar nichts schreiben sollte, sondern nur auf Play drückt und abgeht. Was mich aber wieder gewaltig stört, sind die genölten, klar gesungenen Zeilen, die scheinbar auf jedem Song dieses Samplers zu finden sind und hier schon wieder einen Punktabzug verursachen. Denn ansonsten kann ich hier echt nicht meckern, ist echt schicker Hardcore, den ich für Sommer-Soundtracks mal intensiver auschecken werde.
    8/10

    From A Second Story Window – A Piece of History Written in English

    Nach dem Hardcore-Brett gibt es jetzt verspielten Deathcore auf die Ohren. Auch nicht unbedingt das, was ich mir unter Chaoscore vorgestellt habe, aber man nimmt, was man kriegt. Zugute halten muss ich der Band, dass sie versucht einen möglichst dynamischen und abwechslungsreichen Sound zu präsentieren, was in dem Genre keine Selbstverständlichkeit darstellt. Frickelige, spacige Riffs, satte Groove-Walzen, atmosphärische Gitarrenstreicheleinheiten, melodische Metalcore-Klampfen – alles sauber und druckvoll gespielt und mit genug Widerhaken versehen, um nicht belanglos zu wirken. Gesanglich kriegt man die Death Metal-Breitseite geboten; voluminöse Growls und deftige Pig Squeals wechseln sich ab. Und was habe ich mich gefreut: endlich ein Song ohne Klargesang! Zumindest bis 15 Sekunden vor Schluss, wo tatsächlich nerviges Geschmalze, wie man es von den Larifari-Refrains schlechter Metalcore-Bands kennt, das Ende doch noch gewaltig in die Binsen gehen lässt. Warum nur, Big Exit? Warum?
    5/10

    Circle Takes the Square – Same Shade as Concrete

    Endlich haben wir es hier mit wirklich fordernder Musik zu tun, denn Circle Takes the Square wollen sich nicht in eine Schublade stecken lassen, sondern präsentieren hier ihre eigene Definition experimentellen (Post-)Hardcores. Ein chaotischer Beginn mit gniedelnden Gitarren, stumpf nach vorne preschenden Drums und wild durcheinandergewürfelten Gesangs- und Shout-Einlagen erschlägt einen vorerst, bevor dann ein melodischer und rhythmisch verlockender Post-Hardcore-Part eingreift. Die Harmonie währt jedoch nicht lange, garstiger Keifgesang und Trommelwirbel kündigen weitere Wutausbrüche an. Wirr verschlingen die undefinierbaren Riffs und die spastischen, rastlosen Schreie zu einer Spirale des Wahnsinns, bis eine belegte Melodie den Geist aus der Umnachtung befreit und gemeinsam mit brüchigen Gesangslinien den Hörer an die Hand nimmt. Allmählich überschlägt sich jedoch die Stimme und erreicht den früheren Irrsinn, während die ehemals zaghafte Melodie an Breite und Masse aufnimmt und sich zu einer bedrohlichen Wand auftürmt. Stille kehrt wieder ein, ein elektronisches Wummern dröhnt stoisch vor sich hin und aufwühlender mantraartiger Klargesang versetzt den Körper in Angsstarre. Klirrende Gitarren und gequältes Gekeife greifen wieder ein und setzen dem geschundenem Geist noch weiter zu, bis sich der Verstand zum Ertönen des ausklingenden elektronischen Effekts vorsichtig wieder erholen darf.
    Großartige Band, die hier aufzeigen konnte, dass Hardcore so viel mehr zu bieten hat, als das, worauf er oftmals runtergebrochen wird. Bis hierhin das wohl emotionalste Stück des Samplers.
    9,5/10

    I Hate Sally – Hannah Hannah

    Nach der emotionalen Talfahrt von Circle Takes the Square gibt es jetzt eine weniger feinsinnige Tracht Prügel in Form des Abholzkommandos „I Hate Sally“. Neben Sally scheint aber noch so einiges anderes auf der Liste des Hasses zu stehen, denn angepisst und mit Schaum vor dem Mund kotzt die Truppe mir hier ihre rabiate Knüppelorgie vor die Füße. Von Chaoscore ist das zwar so weit entfernt wie die Frontfrau von den Spice Girls, aber den Spaß muss man sich trotzdem nicht nehmen lassen. Ähnlich wie Every Time I Die zocken I Hate Sally einen modernen und fetten Hardcore-Sound, erhalten aber durch das hardcore-punkige Gitarren-Spiel und den dominanten Bass einen fließenderen Groove. Auf Dauer ist die Angelegenheit aber doch zu monoton und stilistisch zu eintönig, trotz des netten Groove- und Mosh-Parts im letztem Drittel. Wenig Action im Song, wenig Schreib-Action für mich. Auch wenn die Formation zu mittelmäßig und gewöhnlich ist, um mich zu begeistern, immerhin hat sie es geschafft, nicht auf meiner Liste des Hasses zwischen Käsekuchen und Menschen, die „dasselbe“ und „das Gleiche“ verwechseln, zu landen.
    4/10

    #6910781  | PERMALINK
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    SirMetalhead
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    interessantes Zeug, kannte nichts davon. Vieles ist mir aber zu anstrengend 🙂
    Trotzdem gut geschrieben!

    #6910783  | PERMALINK
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    Dr. Jones

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    SirMetalheadinteressantes Zeug, kannte nichts davon. Vieles ist mir aber zu anstrengend 🙂
    Trotzdem gut geschrieben!

    Hätte ich nicht gedacht, dass du dich überhaupt für Hardcore interessierst und dich reinzuhören traust 🙂
    Aber danke für die Blumen ^^

    #6910785  | PERMALINK
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    Big Exit

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    Subterranean Masquerade – No Place Like Home
    Fängt als schöne atmosphärische Folkmusik an, wunderschöne Keyboards und Streicher. Gefällt mir schon mal sehr gut. Dann folgt ein metallischer Part mit Growls die zwar okey umgesetzt sind aber irgendwie nicht soo mitreißend sind. Der drauf folgende Part sorgt wieder für einheilmende Atmosphäre. Schöne Percussion- und Weltmusik-Parts lockern das Ganze noch weiter auf. Insgesamt ein sehr atmosphärisches und abwechslungseiches Stück, durch das sich trotzdem eine gewisse Härte und roter Faden zieht. 8/10

    #6910787  | PERMALINK
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    Big ExitSubterranean Masquerade – No Place Like Home
    Fängt als schöne atmosphärische Folkmusik an, wunderschöne Keyboards und Streicher. Gefällt mir schon mal sehr gut. Dann folgt ein metallischer Part mit Growls die zwar okey umgesetzt sind aber irgendwie nicht soo mitreißend sind. Der drauf folgende Part sorgt wieder für einheilmende Atmosphäre. Schöne Percussion- und Weltmusik-Parts lockern das Ganze noch weiter auf. Insgesamt ein sehr atmosphärisches und abwechslungseiches Stück, durch das sich trotzdem eine gewisse Härte und roter Faden zieht. 8/10

    Ja, eine wirklich tolle Band, die es schafft eine düstere Atmosphäre zu erzeugen und dabei trotzdem leichtfüßig und verspielt zu wirken. Ein sehr homogener Sound trotz der instrumentalen Vielfalt und der häufigen Stimmungswechsel. Leider kennt die Truppe kein Mensch, aber ich empfehle sie jedem, der atmosphärischen Metal mit diversen Einflüssen aus Folk und Prog Rock mag.

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