Re: Filmbewertungsthread

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kinski

Registriert seit: 28.05.2008

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Die große Frage bei DIARY OF THE DEAD war für mich: Kann Romero den von ihm erschaffenen Genre noch einen neuen Aspekt hinzufügen oder wird er sich selber – und den ganzen neumodischen Zombie-Quatsch – nur kopieren ? Und in meinen Augen ist der Streifen dann leider auch nichts anderes als ein Abklatsch altbekannter Floskeln. Handwerklich zwar gut gemacht, aber bei Romero muss man zumindest dies auch verlangen können.

Zusätzlich fällt für mich das Handkamera-Gefilme negativ ins Gewicht. Ich bin eh kein Freund davon, hatte von daher schon an „Blair Witch Project“ damals keinen Gefallen gefunden. Doch in letzter Zeit versucht man zunehmend, auch im Zombie-Genre diese Art der Filmerei zu kultivieren. Nur dass meiner Meinung nach die beiden Sachen nicht zusammen passen – auf der einen Seite die lahmen Zombies, auf der anderen Seite die Wackelkamera und das sich daraus ergebende schnelle Hin- und Hergewackel.

Wie auch immer … auch wenn Romero DIARY OF THE DEAD auf normale Art und Weise gedreht hätte, wäre dieser Teil der schwächste der „…of the Dead“-Reihe. Es wird nichts Neues erzählt, nur althergebrachte Geschehnisse wieder aufgekocht ohne dem Genre dabei neue Elemente hinfügen zu können. Den einzigen Vorteil, den Romero hat, ist, dass er auf Grund seines Kultstatus die finanziellen und handwerklichen Grundvoraussetzungen mitbringen kann, die so manch anderer Regisseur in diesem Genre nicht hat. Und dennoch ist es Romero nicht gelungen, sich gegenüber den ganzen Filmen der zur Zeit immer noch grassierenden Zombie-Welle abzuheben. Er ist mit DIARY OF THE DEAD schlichtweg einfach nicht besser als jeder andere, das muss man einfach mal so klar und deutlich feststellen. Gleiche Story, gleicher Ablauf, gleiche Effekte … Romero hilft eigentlich nur dabei, sein eigenes Genre zu Grabe zu tragen.

Um nicht nur negativ zu sein noch kurz zwei Dinge, die mir positiv in Erinnerung bleiben werden. Zum einen Hauptdarstellerin Michelle Morgan, die trotz allem eine Ausstrahlung hat, die weit über dem Niveau der anderen Akteure liegt. Und zum anderen meine absolute Lieblingsszene des Streifens, in der DIARY OF THE DEAD kurz andeutet, welchen Weg der Film hätte gehen können (und dadurch sich vielleicht auch vom Rest hätte abheben können) :

Fazit : Handwerklich gut gemachter Zombiefilm, der jedoch weit unter dem früheren Romero-Standard liegt und zu keinem Zeitpunkt in der Lage ist, das Genre zu beleben oder ihm neue Impulse zu geben.
3 / 10

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