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An der Objektivitäts-/10er-Bewertungen-Debatte besteht hier kein Interesse mehr, oder? Dann verschone ich euch mit dem Off-Topic (wobei so eine Meta-Diskussion nach meinem Verständnis nicht wirklich Off-Topic ist) und nerve DeoUlf per PM.
€: Scheiß drauf, das brennt mir jetzt (naja, nicht nur jetzt und nur auf diesen Fall bezogen, eher allgemein) unter den Fingernägeln, also muss es raus. Ich habe schließlich ein…ein Image!
DeoUlfEs ist eine Sache, für ein bestimmtes Genre (egal ob Film oder Musik) nicht offen zu sein – aber dennoch kann man die handwerkliche Kunst von genrefremden Dingen nicht einfach aberkennen und die als langweilig oder gar schlecht titulieren (womit wir bei der Objektivität wären). Ich kann z.B. absolut nichts mit Citizen Kane anfangen, gestehe dem Film aber viele Dinge zu, die filmhistorisch unabdingbar sind. Ich würde mich aus diesem Grund hüten, dem Film eine 0/10 zu geben, nur weil ich ihn nicht mag. Andersrum gebe ich meinen Lieblingsfilmen auch nicht die absolute Punktzahl, da es (wie ich schonmal erwähnt habe) immer etwas gibt, was handwerklich anders Gemacht besser gewesen wäre. Wenn Du (als Beispiel) nun Little Nicky 10/10 gibst (ein guter Film, für mich der beste Sandler), dann muss das Verhältnis zu anderen Filmen des gleichen Genres aber stimmen. Was ist mit Die nackte Kanone? Oder Hot Shots? Auch 10/10? Aber dann, warum?
Auch Star Wars als absolut nichtig anzusehen zeugt nicht von objektivem Filmverständnis. Oder in diesem Fall Evil Dead, der ein komplettes Genre mitgeprägt hat.
Hm, okay, mal sehen. Was ist eigentlich Objektivität? Objektivität ist die Beschreibung/Bewertung eines Sachverhalts o.Ä., die unabhängig vom Beobachter (Subjekt) ist. Was ist Makellosigkeit? Was ist objektive Makellosigkeit, oder besser: objektive Richtigkeit? Nach meinem Verständnis ist objektive Richtigkeit das Ende von etwas: Das Ende einer Diskussion, das Ende einer Fragestellung, das Ende einer Herausforderung, das Ende der Kunst, denn all das funktioniert gerade dadurch, dass die Antworten auf gestellte Fragen immer relativ, nie zeitlos, oft genug betrachterabhängig sind. Objektive Richtigkeit ist absolut, und kein Mensch nimmt gerne an einer Diskussion teil, deren Ausgang schon klar ist.
Im Zusammenhang mit Kunst fühle ich mich mit dem Begriff Objektivität also oft eher unwohl, der gehört da IMO selten wirklich hin. Es gibt einige Ausnahmeaspekte wie (vielleicht begrenzt/interpretierbar) die kulturhistorische/gesellschaftliche Bedeutung eines Kunstwerks oder vor allem den handwerklichen Aspekt. Da gibt es durchaus einen absoluten Maßstab, und wo es einen absoluten Maßstab gibt, gibt es auch die objektive Richtigkeit und Bewertbarkeit. Mit der Höhe der Anforderungen und Möglichkeiten im objektiven Maßstab fangen aber die Probleme an: Eine einfache 1. Klasse-Matherechnung oder das Zusammenflicken eines Billy-Regals wären Dinge mit einem objektiven Bewertungsmaßstab, über den die meisten Ausstehenden ausreichend Überblick haben, um zu sagen, ob es dem „Handwerker“ gelungen ist, da etwas Gelungenes, Funktionierendes, objektiv Richtiges zu machen. Ein Film ist jedoch ein unendlich viel komplexeres Unterfangen, und es braucht wohl ein jahrelanges Studium der Filmwissenschaften, um einen zumindest handwerklich wirklich sehr guten Film drehen zu können. Kann man das als Laie alles erfassen? Kann man es sich so gesehen eigentlich überhaupt anmaßen, den handwerklichen Aspekt eines Films objektiv zu beurteilen? Inwiefern kann man das überhaupt, wenn er doch immer im Dienste von etwas Subjektivem, des Kunstwerks, steht? Und wenn es keine objektiv (handwerklich) perfekten Filme geben kann – kann es objektiv perfekte Bewertungen von Filmen geben?
Das klingt jetzt vielleicht schlimm nach Kulturnihilismus (keine Ahnung, ob es den Begriff echt gibt), aber im Grunde gibt es da für mich zwei mögliche Schlussfolgerungen: Man kann resignieren und die Bewertung von/Diskussion über Kunst oder auch nur den handwerklichen Aspekt von Kunst denen überlassen, die Ahnung davon haben. Man kann das aber auch so hinnehmen, im handwerklichen Bereich das bewerten, wo man wissensmäßig auf einigermaßen stabilem Eis ist, und es sich eingestehen, wenn man irgendwo tatsächlich keine Ahnung hat bzw. dass man zwangsläufig irgendwo keine Ahnung hat. Wenn man den ganzen objektiven Kram abgearbeitet hat, beschäftigt man sich mit dem ohnehin sehr viel interessanteren subjektiven Kram; damit, was der Film mit einem macht und vor allem wieso. Da hat man eigentlich keine andere Wahl, als eine Meinung über den eben gesehenen Film zu entwickeln (irgendein Kuchenbuch-Zitat hast du doch in dem Zusammenhang mal gebracht). Results may vary. Vor allem wird der an einen Maßstab und somit auch an Objektivität gebundene Begriff der Perfektion bei etwas so Vagem wie Kunst eigentlich hinfällig.
Das soll nicht heißen, ich würde hier irgendeine Art von Beliebigkeit und (hihi) Kulturnihilismus verteidigen. Wenn es wirklich nur schwarz (Objektivität) und weiß (Subjektivität) (oder nur eins von beidem) gäbe, könnte man nicht (über Kunst) diskustieren. Die intersubjektive Ebene liefert die notwendigen „festen Größen“ für eine Diskussion, auf die sich zumindest die meisten einigen können und von denen der weitere Diskussionsverlauf Ausgang nimmt. Nur: Es sind keine absolut, sondern relativ „feste Größen“. Jene Dinge, auf die sich in einer Diskussion (über Kunst) alle/die meisten einigen können, unterliegen einem langsamen, aber ständigen kulturellen/geschichtlichen/gesellschaftlichen Wandel. Daraus ergibt sich allerdings auch ein Akzeptanzspielraum für davon abweichende Auffassungen, die eben dann akzeptiert werden können, wenn sie abstrakt nachvollzogen werden können. Hat Emigrate halt offenbar nicht gemacht, das mit den nachvollziehbaren Erklärungen. Das sollte IMO kritisiert und hinterfragt werden und nicht seine vermeintlich zu hohen Bewertungen.
Auch in dieser Meta-Diskussion über Filmbewertungen gibt es nur relativ feste Größen: Vermutlich erscheint es hier den meisten (so übrigens auch mir) als am sinnvollsten, die 10/10 möglichst sparsam herauszurücken. Die Leute, die dieser Auffassung sind, behalten sich die Höchstwertung für die wirklich besonderen, alles überragenden Filme vor. Andere wenden auf Filme gewissermaßen einen objektiven Handwerksmaßstab an: Erfüllung von Anforderungen und Nutzen von Möglichkeiten, wenn nichts offensichtlich falsch läuft, wird von der bereits stehenden Höchstnote nichts abgezogen. Oder aber sie relativieren: Es kann also durchaus was falsch laufen, aber wenn es für das Verständnis und den Genuss eines Filmes nicht von Belang ist oder durch andere, positive Eigenschaften aufgewogen wird, dann kann die 10/10 halt so bleiben.
Vor allem beziehen halt auch nicht alle den handwerklichen Aspekt in ihre Filmbewertung mit ein. Wenn man sich aber dazu entschließt: Müsste ein Film dann nicht grundsätzlich mindestens fünf Punkte für den mit ihm verbundenen handwerklichen Aufwand bekommen? Oder drei (Mountain_King hat im Userbattle 2010-Thread gezeigt, wie ungefähr sowas laufen könnte)? Oder gar keine, weil man davon ausgehen können sollte, dass handwerklich alles Nötige im grünen Bereich ist? Weil man darüber im Grunde nicht diskutieren kann und es deswegen eigentlich egal ist, zumindest solange keine exorbitanten Mängel vorliegen oder etwas außergewöhnlich Gutes in der Hinsicht erreicht wurde? Wenn ich schreibe, ein Film (oder ein Album oder ein Buch) sei schlecht, so gehe ich grundsätzlich von mir selber aus. Beruht diese Behauptung auf handwerklichen Mängeln, dann weise ich extra darauf hin.
Vorschlag zur Güte: Lasst den Quatsch mit den Zahlen doch einfach ganz weg.
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