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Zum Thema BM und albern möchte ich nur einen kleinen meiner Meinung nach 100%ig zutreffenden Text der Band Atrorum zitieren, über die Problematik des Brechens mit bestehenden Konventionen:
Aber genau damit engt man seine künstlerische Freiheit bereits wieder ein. Beim Versuch, alte Konventionen zu brechen, und etwas Neues zu schaffen, verfällt man nur zu leicht der Versuchung, neue Konventionen aufzubauen, die sich darüber definieren, sich von dem alten möglichst stark abzuheben. Damit hat man zwar etwas Neues erschaffen, aber die Engstirnigkeit in der Musik bleibt dabei weiter bestehen. Wenn sich beispielsweise jemand vom Christentum wegen dessen irrationalen und unglaubwürdigen Dogmen und Wahrheiten abwendet, und dann beginnt, Kreuze umzudrehen, schwarze Klamotten zu tragen und sich neue, ebenso unglaubwürdige Dogmen zu erschaffen, dann hat er sich am Ende einer „Religion“ verschrieben, die genau die gleichen Fehler hat, wie die der Religion, von der er sich ursprünglich abgewendet hat, er versteift sich auf eine Ethik, ohne sie zu hinterfragen, und opfert seine Freiheit und seine Vernunft der Konvention und den herrschenden Dogmen. Genau das Gleiche passiert leider in der Musik. Wenn im kommerziellen Pop harte Gitarren, aggressive Texte und Schreigesang verpönt bis verboten sind, dann herrschen im Metal und im Underground die gleichen Tendenzen gegen Ohrwurm-Melodien, Balladen, Keyboards oder Frauengesang. Im Endeffekt ist dann keine der beiden Strömungen toleranter. Von der Philosophie unterscheiden sich „True Black Metal“ und „R&B“ gar nicht so sehr: Beide bauen auf Dogmen: Was macht man, was macht man nicht, was ist „in“, was ist „out“, aber vor allem: Was ist Black Metal (R&B) und was ist es definitiv nicht. Viele Musikstile und -szenen spinnen sich in ein Netz von Dogmen und Konventionen ein, und vermögen es nicht, dieses aufzubrechen, vor Angst, sich nicht mehr gegen all die anderen abzuheben. […] Wichtig ist nur, was ein Song im Zuhörer bewegt, welche Aussage er hat, also ob er ihn emotional oder intellektuell berührt. Unwichtig ist, welcher Stilrichtung er angehört, ob er „true“ ist (oder gar wir), und ob man ihn überhaupt gut finden darf, ohne als Weichei oder abgefahrener Freak zu gelten.
Dementsprechend finde ich nicht BM albern, aber durchaus Leute die den BM (als „Ideologie“, Lifestyle etc.) wirklich ernst nehmen. Und dass es davon reichlich gibt ist kein Geheimnis…
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Treat everyone the same until you find out they're an idiot. http://www.last.fm/user/daray