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slashvanyoung

Registriert seit: 10.07.2004

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Gefunden! Im Thread zur letzten Annihilator. 😆

slashvanyoung

Heemt

slashvanyoung

Ich kann nicht so richtig nachvollziehen, was Jeff Waters auf der neuen Scheibe mit dem Gitarrensound angestellt hat. Da hat der Gute sein eigenes Studio und auch einiges an Erfahrung im Produzieren, aber trotzdem kommt der Klampfensound ziemlich dünn rüber. Dass der Gitarrensound sehr mittig bei Annihilator ist, weiß man ja, aber man hört den Sachen deutlich an, dass er die Gitarren direkt, also ohne Mikrofonierung einer Box, eingespielt hat. Jedenfalls klingt es extrem danach. Das muss ja nicht zwangsläufig schlechter sein, aber man könnte meinen, dass er „vergessen“ hat ’ne Boxensimulation zu verwenden. Und vergessen hat der das bestimmt nicht. Ist mir halt aufgefallen. Jeder, der schonmal über den Kopfhörerausgang seines Amps oder über den Rechner ohne Boxensim gespielt hat, wird wissen, was ich meine.

Die Sounds des Waters sind unergründlich…

Wie nimmt man E-Klampfen denn richtig auf? Würde mich mal interessieren, da ich meine auch einfach über Kopfhörerausgang des Verstärkers aufnehme, und bin mit dem Sound zufrieden. Wie machen es die Profis?

Naja, es gibt grundsätzlich 2 verschiedene Methoden, die generell angewendet werden und deren Kombination.

Die erste, traditionelle, Methode ist das indirekte Recording. Für brauchbare, verzerrte Sounds gab’s dafür vor dem Computerzeitalter quasi keine Alternative, da die Gitarrenboxen den Sound (v.A. die Bässe) maßgeblich beeinflussen. Deshalb wird beim indirekten Recording die Gitarrenbox(en) mit Mikrophonen abgenommen.

Vorteile: – natürlicher Sound („echte“ Amps)
– Klangeigenschaften realer Boxen
– Beeinflussung des Sounds durch Positionierung der Mics.

Nachteile: – Mikros nehmen Nebengeräusche auf
– wenig Flexibilität um mit dem Sound zu experimentieren
– Raum/Umfeld beeinflusst Sound –> Wahl des Studios/Raums
–> man kann nicht immer und überall aufnehmen

Die zweite Methode ist das direkte Recording. „Direkt“, weil kein Medienbruch besteht, d.h. dass keine Mikrofone im Signalweg vorhanden sind. Bei Bässen ist es schon sehr lange durchaus üblich diese direkt (über das Mischpult) in das Recording Equipment aufzunehmen. Seit dem Aufkommen von leistungsfähigen Computern und deren Software, wurde diese Möglichkeit auch für E-Gitarristen attraktiver, denn moderne Amp- und Boxensimulationen imitieren den „natürlichen Sound“ mittlerweile ziemlich gut. Zwischen Gitarre und Recording Equipment steht oft nur ein D/I-Interface, z.B. eine entsprechende Soundkarte, Mischpult, (Pre-)Amp oder D/I Box.

Vorteile: – (fast) keine Nebengeräusche (nur evtl. von den Pickups)
– Signal kann „trocken“ aufgenommen werden und dann nachher
durch verschiedene Ampsims geschickt werden (kein erneutes
Einspielen für andere Sounds notwendig)
– wenig Equipment notwendig: Gitarre – (Interface) – Computer
– Effekte durch Plugins realisierbar
– mobiles Recording (Laptop)
– Homerecording mit guten Ergebnissen für jeden erschwinglich
– keine Abhängigkeit von räumlichen Begebenheiten
–> „Aussterben“ der großen, traditionellen Studios

Nachteile: – Klang von natürlichem Equipment (Röhrenamps) nicht 100%ig
reproduzierbar
– Jede Assel kann seinen Mist aufnehmen und veröffentlichen
:mrgreen:

Dann bleibt noch die Möglichkeit die Vorteile der Verfahren zu kombinieren, so kann man beispielsweise die Gitarre „trocken“ direkt aufnehmen, aber dann anstatt das Signal durch eine Ampsimulation zu jagen, es an einen realen Verstärker schicken und dessen Sound dann per Mikro abnehmen. So spart man sich die Arbeit des wiederholten Einspielens (weil Zeit ist sehr viel Geld im Studio), hat aber trotzdem den Sound von „echtem“ Equipment.

So, das wär’s… grob. 🙂

Ich persönlich bevorzuge im Studio die indirekte Variante, aber nutze zuhause fast ausschließlich direktes Recording. Dazu benutze ich mein Marshall Top als (clean) Preamp und D/I Box (wegen dem Emulated Output) und gebe das Signal direkt in meinen Laptop. Aufnehmen tue ich dort mit Cubase und als Amp- und Boxensimulation benutze ich „Guitar Rig 2“ oder (lieber) „Amplitube“ sowohl als Standalone, als auch als Plugin.

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[U]Decision To Defy[/U] It's always funny until someone gets hurt... And then it's just hilarious!