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Sodom – M-16
Nachdem sich der Thrash-Metal nach seinem langsamen Niedergang Ende der 80er Jahre im letzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts in einer Art Dämmerschlaf Schrägstrich Krise befand, was sich durch Bandauflösungen, mäßige bis experimentelle Veröffentlichungen und einen allgemeinen Popularitätsverlust zugunsten anderer Spielarten des Metals ausdrückte, deutete sich unter anderem mit Sodoms Veröffentlichung „Code Red“ aus dem Jahre 1999 und der Wiedervereinigung von Destruction mit Schmier an, dass einige Herren noch etwas zu sagen hatten – der Grundstein für das immer noch aktuelle Thrash-Revival wurde pünktlich zum Jahrtausendwechsel gelegt.
Obgleich für viele das lyrisch ähnlich angelegte „Agent Orange“ (1989) – thematisiert wird mit dem Vietnamkrieg eines der vielen Interessenfelder des Sängers Tom Angelripper – das Referenzwerk der Band darstellt, sieht eine nicht geringe Zahl ihrer Anhänger in der 2001 erschienenen Langrille „M-16“ das Magnum Opus der Gelsenkirchener Thrash-Institution, die im Gegensatz zu den anderen 67% des deutschen „Triumvirats“ (bestehend aus genannten Sodom, Destruction sowie den Essenern Kreator) immer Linie hielt und sich nicht übermäßig vom „Thrash“ entfernte.
„M-16“ kann vielleicht als Quintessenz des Sodom-Sounds angesehen werden, der sich nach den durch und durch chaotischen Veröffentlichungen der Anfangstage („Obsessed by Cruelty“ und „In The Sign of Evil“ werden auch heute noch von namhaften Vertretern der Black-Metal-Szene als Inspirationsquelle zitiert) herausbildete und im Grunde genommen aus drei Hauptingredienzien besteht: aus den plakativen Songtexten, die den Finger nicht nur in die Wunde legen, sondern auch gerne mal feste reindrücken, der Kombination aus chaotisch-manischem Gedresche und stampfenden E-Saiten-Attacken sowie dem definitiv unverkennbaren Stimmorgan des ehemaligen Schlossers Onkel Tom, dessen Aussprache des Englischen sich zwar verbessert hat, jedoch auch weiterhin Erkennungs- und vielleicht auch als Qualitätsmerkmal deutschen Gebolzes durchgehen kann.
All diese Dinge enthält „M-16“ zuhauf. Sei es…:
… der grandiose Opener „Among the Weirdcong“, der beispielhaft für das ganze Album stehen kann.
… mit dem Stampfer „Napalm in the Morning“ der vielleicht böseste Song, den Sodom je geschrieben haben.
… „Minejumper“ – oldschool ohne Ende
…das hymnenhafte „Marines“
…oder einfach nur das mörderisch geile Trashmen-Cover „Surfin‘ Bird“, welches zum einen Abwechslung nach etwa 46 Minuten Dauerfeuer bietet und gleichzeitig zeigt, dass Sodom immer wieder für einen Spaß zu haben sind – vom Ergebnis mal abgesehen, welches nicht nur das Original, sondern auch noch die Peter-Griffin-Version locker in die Tasche steckt und zeigt, was man alles aus Songs rausholen kann, wenn man mit der richtigen Einstellung rangeht.
Zusammenfassend kann man sagen, dass „M-16“ nicht nur in keiner Plattensammlung und in keiner Liste potenzieller Hörtipps fehlen darf, sondern ebenfalls in einer Liste der besten zehn Metal-Alben des vergangenen Jahrzehnts auftauchen sollte. Mit ihrem Erstwerk des neuen Jahrtausends haben Sodom eine Blaupause für Thrash-Metal geliefert, der reif klingt, sich jedoch nicht in modernem Schnickschnack ergeht: hier gibt es einfach nur gepflegt einen auf’s Fressbrett gezimmert, dass es nur so kracht – schön!
Absolutes Einsteigerwerk und Pflichtkauf²!
Hörbeispiele:
http://www.youtube.com/watch?v=m4gxIM2OeHA
http://www.youtube.com/watch?v=qF70OfNnZ7k
http://www.youtube.com/watch?v=nKqpiFfs-kI
http://www.youtube.com/watch?v=lwR9SEeBmWE
http://www.youtube.com/watch?v=AnB7Mvz4pAE
http://www.youtube.com/watch?v=ic9tzBLnPX8
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The sun is the same in a relative way but you're older, Shorter of breath and one day closer to death..