Re: 2012 – der letzte Jahresrückblick ever

Home Foren Maximum Metal Plattenladen 2012 – der letzte Jahresrückblick ever Re: 2012 – der letzte Jahresrückblick ever

#6765601  | PERMALINK

Bahl

Registriert seit: 13.09.2005

Beiträge: 1,745

Lang ist es her, dass es mal ein so gutes Musikjahr gab. Praktisch alle Bands haben meine Erwartungen mindestens erfüllt und viele neue Bands sind dazugekommen, ein paar Enttäuschungen gab es auch. Hier die für mich wesentlichen Platten in alphabetischer Reihenfolge.

Abrahma – Through the Dusty Paths of Our Lives
Nie von der Band gehört, dabei gibt es sie schon länger, vorher aber unter anderem Namen und mit klassischem 70er-Jahre-/Psychedelic-Rock. Jetzt hat die Band einen Vertrag bei Small Stone erhalten und nun ist ihr erstes Album unter neuem Namen erschienen. Abrahma ist eine Stonerband, aber es wird kein klassischer Stoner Rock geboten, sondern alle möglichen Einflüsse eingebaut. So gibt es hin und wieder ein paar Synthies (?) und der Gesang kommt in einigen Songs fast ein bisschen gotisch daher. Das war anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, man gewöhnt sich jedoch schnell daran und die kleine Mühe wird schnell belohnt, denn Through the Dusty Paths of Our Lives entpuppt sich als grundsolides und auch ein bisschen innovatives Stoneralbum. Dazu kommt eine sehr großzügige Spielzeit von über 70 Minuten. In das Album sollte man unbedingt reinhören.
http://www.youtube.com/watch?v=whwCSK_xWbg
http://www.youtube.com/watch?v=Q3r9J2FS9pA

Arc of Ascent – The Higher Key
Noch eine Neuentdeckung. Der Sänger dürfte einigen bekannt sein, da er auch bei Datura aktiv ist/war. Die Band bietet epischen und gut gemachten Stoner/Doom Metal. Anfangs klingt die Platte etwas monoton, entwickelt sich aber schnell und gefällt immer mehr. Hier ist die LP zu empfehlen, die es in vier sehr schönen Versionen über das ebenfalls sehr schöne Label Clostridium Records gibt.
http://www.youtube.com/watch?v=UhqObhqYL3c

Asphyx – Deathhammer
Der Vorgänger Death… the Brutal Way wurde damals meinen hohen Erwartungen nicht gerecht und war eine ziemliche Enttäuschung, da außer zwei, drei Songs nicht viel hängen blieb. Daher hatte ich gar keine Erwartungen an die neue Platte und habe einfach mal so reingehört. Das hat sich definitiv gelohnt, denn Death… the Brutal Way ist hiermit vergessen. Waren für mich auf dem 2009er-Album noch die langsamen Dampfwalzen das größte Problem, sind sie auf Deathhammer der größte Pluspunkt, mein Favorit ist dabei das großartige Minefield. Doch auch schnelle Granaten wie der Titeltrack wissen zu begeistern. Empfehlenswert ist die 2-CD-Version mit nettem Bonuskram. Einziger Minuspunkt ist der Sound. Dan Swanö hat eine Zeitlang sehr gute Produktionen abgeliefert (das Debut von Hail of Bullets z. B. hatte einen richtig guten Sound), mittlerweile hat er es aber übertrieben: Man hat den Eindruck, dass hier alle Regler nach rechts gedreht wurden, so laut ist das Album produziert. Das ist ein bisschen schade und nimmt der Musik ihre Atmosphäre zum Teil weg. Dennoch eine empfehlenswerte Platte.
http://www.youtube.com/watch?v=a10QrU3j_A0

Daylight Dies – A Frail Becoming
Das Problem bei Daylight Dies war bisher immer, dass sie zwar handwerklich einen guten Job machten, auch gute Riffs schrieben, aber daraus oft keine packenden Songs entstanden. So rauschte Lost tot he Living noch so an einem vorbei, dass kaum etwas hängenblieb. Positiv war immer der klare Gesang von Bassist Egan O’Rourke, der jedoch spärlich eingesetzt wurde. Die Band hat sich nun vier Jahre Zeit genommen, bis das neue Album herauskam, und das hat sich gelohnt, denn das Ergebnis kann sich durchaus hören lassen. In A Frail Becoming ist eine Energie vorhanden, die es so auf den vorherigen Alben nicht gab, dazu sind die Growls besser und aggressiver geworden und der klare Gesang wird endlich sinnvoll eingesetzt und nicht nur vereinzelt mal in einem Song. Das alles macht A Frail Becoming noch immer nicht zu einer Hitmaschine, aber das ist auch gar nicht das Ziel. Dies ist eher ein Album für ruhigere Momente und sollte nach Möglichkeit in einem durchgehört werden. Dazu kommt noch die schöne Gestaltung, die sich wirklich sehen lassen kann. Schade nur, dass es kein Vinyl dazu gibt, da wäre das Cover sicher noch besser zur Geltung gekommen.
http://www.youtube.com/watch?v=5QCvMMc9m3w

Enslaved – Riitiir
Enslaved gehört seit Below the Lights zu meinen Lieblingsbands. Die Band veröffentlicht in einem regelmäßigen Zwei-Jahres-Rhythmus ein großartiges Album nach dem anderen. Und so war ich anfangs auch von Axioma Ethica Odini begeistert, die Songs gingen so schnell ins Ohr wie noch nie, aber die Begeisterung ließ schnell nach und die Platte verstaubt in meinem Regal (ich glaube, dass ich sie in diesem Jahr noch gar nicht gehört habe). Deswegen war ich im Vorfeld der Veröffentlichung von Riitiir sehr skeptisch. Wieder gingen (fast) alle Songs schnell ins Ohr, wieder war ich begeistert, hatte aber gleichzeitig Schiss, dass es wieder so kommt wie vor zwei Jahren. Davon kann mittlerweile jedoch nicht mehr die Rede sein, denn die Platte rotiert unaufhörlich und ich kann nicht genug davon kriegen. Lange ist sie ja noch nicht draußen, aber momentan ist sie sogar mein Lieblingsalbum von Enslaved. Die Songs sind vielschichtig, intelligent aufgebaut und machen Spaß. Beim Opener Thoughts like Hammers regiert zunächst das Chaos, bevor es in geordnetere Bahnen geht. Solche Ausbrüche gibt es auf dem Album nur selten, aber wenn sie kommen, verfehlen sie ihre Wirkung nicht. Dazu kommen sehr erhabene Momente mit großartigen Melodien und dem ebenso großartigen Klargesang von Keyboarder Herbrand Larsen, der ohnehin schon immer ein sehr guter Sänger war, aber hier noch besser geworden ist. Der harsche Gesang von Grutle Kjellson liefert den perfekten Kontrast dazu. Auf dieser Platte stimmt einfach alles, es gibt jede Menge ergreifende Momente, wie beispielsweise auch das sehr ruhige Finale des Albums. Dazu kommt ein sehr guter Sound (endlich hat Jens Bogren mal einen guten Job gemacht) und eine großartige Gestaltung (das Cover!). Riitiir ist nicht nur mein Album des Jahres 2012, sondern auch mindestens die beste Platte der letzten vier Jahre. Ein Album für die Ewigkeit
http://www.youtube.com/watch?v=lOO2lkbpQBo
http://www.youtube.com/watch?v=7DULdEgVgY8

Grave – Endless Procession of Souls
Grave waren eine Zeitlang vielleicht meine Lieblingsband aus Schweden, alle Alben liefen bei mir rauf und runter. Die Begeisterung legte sich jedoch schnell und übrig blieb am Ende nur noch das Debut. Die anderen Platten sind teilweise schon auch gut (teilweise aber auch überhaupt nicht, siehe das unsägliche Hating Life), ähneln dem alles überschattenden Debut aber doch zu sehr. Nachdem sich Burial Ground besonders schnell abgenutzt hatte und einfach nur langweilig klang, waren meine Erwartungen an das neue Album sehr gering. Genau das wurde auch bestätigt. Vielen hier scheint die neue Platte ja zuzusagen, mir aber überhaupt nicht. Für mich hören sich die Riffs alle gleich an und dieselbe Langeweile stellt sich ein. Für mich ist die Band wohl nicht mehr von Interesse.
http://www.youtube.com/watch?v=inbPvbhYdeU

Greenleaf – Nest of Vipers
Nach fünf Jahren hat die Band, die sich aus dem Sänger von den Truckfighters und ansonsten aus den Mitgliedern von Dozer zusammengesetzt, nach dem bärenstarken Lords of Ahriman wieder zugeschlagen. Das Ergebnis ist ein Album, das sich hinter dem 2007er-Werk keinesfalls verstecken muss. Im Großen und Ganzen hat sich nicht viel getan, es wird immer noch Stoner Rock mit starkem 70er-Jahre-Einschlag geboten, allerdings ist hier (bei einigen Songs) eine melancholische Seite dazugekommen, die es auf dem Vorgänger nicht gab. Nest of Vipers ist eine Sammlung von neun ausnahmslos guten Songs, die man eigentlich zu jeder Tages- und Nachtzeit hören kann, so leicht geht die Platte ins Ohr (und nutzt sich trotzdem, nach mehrmonatiger Beschallung, nicht ab).
http://www.youtube.com/watch?v=aEtAwlsAMkU

Illdisposed – Sense the Darkness
Illdisposed haben schon einige Höhen und Tiefen hinter sich. Auf geniale Platten wie 1-800 Vindication folgten Totalausfälle wie The Prestige, neben Klassikern wie Four Depressive Seasons gibt es Durchhänger wie Kokaiinum. Mit der 2011er-Platte There Is Light (But It’s Not for Me) ging es nach zwei stinklangweiligen Alben wieder deutlich bergauf, von daher durfte man gespannt sein, was einen nun erwartete. Und eigentlich ist alles wie immer: Die Grundzutaten sind dieselben (schnörkelloser Death Metal mit den unvergleichlichen Vocals von Bo Summer) wie immer, aber es gibt auch minimale Veränderungen wie immer. Synthies fallen beim neuen Album wieder komplett weg, die Band macht aber nicht den Fehler, wieder so stumpfe Alben wie 2008 und 2009 zu machen, sondern bietet ansprechenden Death Metal, der richtig Spaß macht. Dazu kommt eine für Tue-Madsen-Verhältnisse gar nicht so schlechte Produktion. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: Sind die ersten sieben Songs ausnahmslos ziemliche Kracher, ist ab The Poison der Ofen aus. Die Songs sind nicht übel, aber fallen doch deutlich ab. Unterm Strich bleibt aber ein gutes Album.

http://www.youtube.com/watch?v=1Z3vMJl_OIE

Katatonia – Dead End Kings
Wohl die größte Enttäuschung des Jahres für mich. Na gut, blödsinnige „Konzepte“ und pseudointellektuelle Texte war man von Katatonie schon etwas länger gewöhnt, das alles konnte ich aber immer ausblenden und die Musik genießen. Auf Dead End Kings geht die Entwicklung, die auf Night Ist he New Day begann, noch deutlich weiter: Weg von harten, straighten Songs, hin zu mehr Progressivität, mehr Keyboards und weniger Gitarren. Sprich, die Musik ist deutlich ruhiger geworden, dabei habe ich gerade The Great Cold Distance aufgrund seiner Härte so gemocht. Night Ist he New Day war somit auch ein sehr starkes Album, das hinter seinem Vorgänger jedoch schon abfiel. Das geht mit Dead End Kings nun leider so weiter, und das in einem Maß, das die Platte für mich nicht mehr hörbar macht. Gitarren hört man kaum noch, dafür sind Keyboards immer mehr im Vordergrund. Es ist mir unmöglich, das Album komplett an einem Stück zu hören und mittlerweile habe ich es aufgegeben. Im Gegensatz zu dem, was man oft so liest und hört, haben mich die Alben von Katatonia immer sehr schnell angesprochen, deswegen lasse ich es jetzt einfach sein. Mit der Platte werde ich einfach nicht warm und gerade gemessen an dem Gewese, das oft um Katatonia gemacht wird (und das die Band auch zu einem großen Teil selbst verursacht), finde ich das Ergebnis viel zu schwach.
http://www.youtube.com/watch?v=RGMnV0uYATM

Larman Clamor – Frogs
Das hier hat mit Metal rein gar nichts zu tun, geboten wird hier eine gute halbe Stunde großartigen Blues Rocks. Das Album kommt ziemlich klassisch daher und weniger von den 70ern als den Jahrzehnten davor beeinflusst. Meistens bestehen die Songs aus einem oder zwei bluesigen Riffs und rauem Gesang, Schlagzeug wird nur sehr sparsam verwendet. Hier unbedingt die LP nehmen, da mit 20-seitigem Booklet im LP-Format ausgestattet. Die Musik macht definitiv Spaß!
http://www.youtube.com/watch?v=MlpfJErnIfU

Mammoth Mammoth – Volume III: Hell’s Likely
Noch eine Neuentdeckung, wieder aus dem Stoner-Bereich und wieder mit starken Einflüssen aus den 70er-Jahren (das sehr ansehnliche Cover eingeschlossen^^). Wer innovative, originelle und abwechslungsreiche Musik hören möchte, ist hier falsch beraten, wer aber einfach gut gemachten Stoner Rock mit einem alles plattwalzenden Monstergroove und Gesang mit richtig dicken Eiern braucht, sollte sich das nicht entgehen lassen.
http://www.youtube.com/watch?v=rH5sT5An0Hs

Meshuggah – Koloss
Meshuggah ist eine meiner Lieblingsbands und das 2008er-Album ObZen ist immer noch eines meiner Lieblings-Musikalben überhaupt. Es war daher für Meshuggah praktisch unmöglich, ein so gutes Album wie ObZen zu machen oder es gar zu übertreffen. Ich kann es der Band auch nicht übel nehmen, dass Koloss neben seinem Vorgänger deutlich abfällt, dennoch bin ich natürlich ein bisschen enttäuscht. Das alles ist allerdings Gejammere auf sehr hohem Niveau, denn noch immer sind Meshuggah ihrer Konkurrenz um Lichtjahre voraus und lässt diese – wie eigentlich immer – verdammt alt aussehen. Koloss ist deutlich zäher als sein Vorgänger geworden, und dabei sehr abwechslungsreich: Neben langsameren Songs wie dem Opener gibt es auch deutlich schnellere. Wahrscheinlich hätte mir das Album besser gefallen, wenn man einen oder zwei Songs weggelassen hätte, so wird es nach hinten etwas lang, so dass ich mir die komplette Platte nicht immer geben kann. Wie gesagt ist Koloss trotzdem eine bärenstarke Platte, an der man viel Freude haben kann.
http://www.youtube.com/watch?v=CUuXiAsV7BQ

Moonless – Calling all Demons
Noch so eine Stonerplatte, und eine verdammt gute, mit ziemlich niedrigem Tempo und doomigem Einschlag. Auch hier sollte man keine innovative Musik (oder intelligente Texte, sind die schlecht!) erwarten, sondern einfach nur guten Stoner Rock, nicht mehr und nicht weniger. Die Riffs treten Arsch, der Sänger ebenfalls, manchmal muss es mehr nicht sein.
http://www.youtube.com/watch?v=z5DmAMXgMI0

Necrovation – Necrovation
Auf die Band wurde ich – wie wohl die meisten – vor vier Jahren aufmerksam, als ihr Debut erschien. Damals habe ich sie allerdings schnell aus den Augen verloren, da sie im Meer der neuen, jungen Old School Death Metal-Bands untergingen und mit Überfliegern wir Repugnant, Kaamos oder Tribulation einfach nicht Schritt halten konnten (und mit älteren Bands übrigens auch nicht). Vier Jahre hat es gedauert, bis der selbstbetitelte Nachfolger erschienen ist. Ich hörte zufällig davon und hatte eigentlich kaum Lust, da reinzuhören (diese ganzen Old School DM-Bands sind zum großen Teil halt nicht so interessant), habe es aber trotzdem aber mal gemacht, und war wirklich überrascht, denn vom Sound von Breed Deadness Blood ist nicht viel übriggeblieben. Es gibt keine Old-School-Produktion mehr, sondern einen deutlich polierteren Sound, der zur Musik aber sehr gut passt (und der immer noch ordentlich knallt und den nötigen Dreck mitbringt). Die Musik ist weiterhin ganz klar Death Metal, aber mit deutlichen Heavy-Metal-Einflüssen. Damit schaffen Necrovation sich eine Nische und heben sich von der Masse ab. Das Ergebnis ist ein in sich stimmiges, abgerundetes Album, das man am besten in einem durchhören sollte. Dazu kommt der Gesang, der deutlich abwechslungsreicher geworden ist. Dies ist eine der größten Überraschungen des Jahres, da ich nie gedacht hätte, dass Necrovation mal so ein reifes, durchdachtes Alum schreiben würden. Das Cover und die restliche Gestaltung sind ebenfalls sehr gelungen und passen gut zur Musik. Unbedingt die LP nehmen (und da am besten die blaue, sieht sehr gut aus!), in der ein Booklet mit enthalten ist.
http://www.youtube.com/watch?v=nAbbWfdySJo
http://www.youtube.com/watch?v=uaevXwZWkAw

Neurosis – Honour Found in Decay
Noch eine meiner absoluten Lieblingsbands hat nach fünf langen Jahren endlich ihr neues Album herausgebracht. Given to the Rising war eine unglaublich starke Platte, die ich immer noch oft und gern höre. Ich weiß gar nicht warum, aber trotzdem war ich ein bisschen skeptisch vor der Veröffentlichung von Honour Found in Decay, vielleicht weil ich darauf warte, dass diese Band irgendwann mal einbricht und sich einen Ausrutscher leistet. Das ist hier aber keinesfalls eingetreten, auch die neue Platte ist großartig geworden. Die Grundausrichtung ist dieselbe wie bei Given to the Rising, ein paar Veränderungen gibt es jedoch, wie den verstärkten Einsatz von Keyboards. Wie gesagt, die Grundausrichtung und -Stimmung ist jedoch dieselbe. Tonnenschwere Riffs werden gespielt, dazu kommt der charakteristische Gesang von Scott Kelly und Steve von Till und eine großartige Schlagzeugarbeit wird auch wieder geboten. Die Atmosphäre ist wieder extrem finster, und doch ist Honour Found in Decay deutlich leichter zugänglich als seine Vorgänger (bei mir hat die Platte schon beim ersten hördurchlauf gezündet). Die Produktion ist mal wieder ausgezeichnet geworden, so dass hier mal wieder alles stimmt und ein großartiges Stück Musik entstanden ist.
http://www.youtube.com/watch?v=fCGctuclgTs

OSI – Fire Make Thunder
OSI setzen sich aus Kevin Moore (Gesang, Keyboards) und Jim Matheos (Gitarre) zusammen, Session-Drummer ist Gavin Harrison, womit die Richtung der Band klar sein dürfte. Richtig, hier wird progressiver Rock geboten. Das Songwriting ist sehr ausgereift, die Instrumente arbeiten perfekt, die Keyboards runden die Musik perfekt ab, und über allem steht Kevin Moores hypnotischer, etwas melancholische und irgendwie „unbeteiligt“ (ein besseres Wort fällt mir nicht ein) klingender Gesang, der über allem thront. Jeder Song funktioniert sehr gut, meine beiden Favoriten sind dabei die besonders ruhigen Nummern Indian Curse und Wind Won’t Howl. Fire Make Thunder ist eine ruhige Platte geworden (und ruhiger als die Vorgänger), die man sich sicher besser zu Hause im bequemen Sesselchen anhören kann als irgendwo unterwegs.
http://www.youtube.com/watch?v=a0FdJE3kWtw
http://www.youtube.com/watch?v=Ziq-N6iO2vU

Paradise Lost – Tragic Idol
Paradise Lost haben sich seit dem 2007er-Album In Requiem zusammengerissen und machen wieder richtigen Gothic Metal erster Güte und lassen alles, was seit spätestens Host passierte, vergessen. Stilistisch hat sich seit 2007 nicht viel verändert, und auch auf Tragic Idol wird mehr oder weniger derselbe Stil geboten wie auf den beiden Vorgängern, nennenswerter Unterschied ist dabei das Fehlen von Keyboards außer im Opener. Insgesamt präsentiert sich die Musik recht reduziert, einerseits wegen des bereits angesprochenen fast völligen Wegfalls der Keyboards, dann auch, weil es auch Songs gibt, in denen epische, sehr emotionale Momente fehlen, zum Beispiel und vor allem in Theories of Anoter World. Gerade dies aber macht die Stärke von Tragic Idol aus: Die Band scheint sich auf das Wesentliche zu besinnen und macht einfach gute Musik. Gerade das hat sich ausgezahlt, denn Paradise Lost übertreffen mit ihrem neuen Album In Requiem und Faith Divides Us, Death Unites Us und veröffentlichen ihr bestes Album seit Draconian Times. Schade nur, dass auch hier Century Media bei der LP auf die Bonus-Tracks verzichtet (wie schon bei der neuen Asphyx).
http://www.youtube.com/watch?v=Gfx1gcj6sNw
http://www.youtube.com/watch?v=Rqq6Nt70LZc

Propane Propane – Indigo
Das hier ist die größte Überraschung des Jahres. Die Band hatte vorher eine CD veröffentlicht und war mir vorher völlig unbekannt. Indigo ist nicht als CD erhältlich und nur auf Vinyl beim kleinen, aber feinen Label Clostridium Records erschienen. Die Band bietet Stoner Rock bester Qualität, hier stimmt einfach alles. Propane Propane gelingt es trotz oder gerade wegen ihres kurzen Bestehens und ihrer Unverbrauchtheit, sich von der Masse der Stonerbands abzuheben. Dies liegt am unglaublich durchdachten und einfach guten Songwriting, der guten Instrumentierung und dem wunderbar passenden und variablen Gesang. Hier wird nicht von vorn bis hinten auf eine völlig zugekiffte Atmosphäre gesetzt, sondern teilweise auch temporeichere Parts gespielt, dann wieder langsamere, tonnenschwere mit teilweise richtig aggressivem Gesang. Dazwischen gibt es immer wieder ruhigere Parts, die der Angelegenheit die Krone aufsetzen, so hypnotisch ist die Atmosphäre an diesen Stellen (z. B. im Opener Rise, Cosmic Hideout und im abschließenden Titeltrack). Hiervon lebt dieses Album, denn dadurch wird die Musik sehr abwechslungsreich und zu keinem Zeitpunkt langweilig. Dazu kommt noch die wunderbare Covergestaltung, für die die Freundin des Sängers verantwortlich zeichnet. Für alle, die gern mal die Musik zum Probehören saugen: Im Internet kursiert nur ein Rough Mix mit den Songs in falscher Reihenfolge. Der tatsächliche Sound des Albums ist viel besser und abgerundeter, davon sollte man sich also nicht abschrecken lassen.
http://www.youtube.com/watch?v=A_UVH_pUylU

Psycroptic – The Inherited Repression
Psycroptic waren die erste technische Death-Metal-Band, die ich so hörte. (Ob)Servant fand ich damals richtig stark, nur der grausige Sound schmälerte das Hörerlebnis etwas. Nach vier Jahren ist nun der Nachfolger erschienen, und das Resultat ist äußerst zwiespältig: Es fängt beim völlig langweiligen Cover und der restlichen Gestaltung an und macht leider vor dem Songwriting nicht Halt. Psycroptic präsentieren sich in einer reduzierten Form, die Riffs sind lang nicht mehr so interessant wie auf den Vorgängerplatten. Die Songs sind zudem verdammt eingängig geworden, so gefallen sie zwar schnell, nach wenigen Durchläufen werden sie aber auch schnell langweilig. Einzige Verbesserung zum Vorgänger ist der Sound, der immer noch kein Traum ist, aber nicht mehr dermaßen nach Plastik klingt. Hier sollte man unbedingt mehrmals reinhören, bevor man sich zu einem Kauf entschließt, da die Halbwertszeit doch recht gering ist.
http://www.youtube.com/watch?v=RePiuFxp7H4

Royal Thunder – CVI
Normalerweise stehe ich auf diese ganzen Stonerbands mit Sängerin überhaupt nicht (The Devil’s Blood zum Beispiel), hier bin ich aber positiv überrascht. Während auf der selbstbetitelten Debut-EP noch solider, aber wenig origineller Stoner Rock geboten wurde, hat man das Songwriting nun für die erste LP deutlich verbessern können. Die meisten Songs haben Überlänge, langweilen jedoch zu keinem Zeitpunkt und verhelfen der Platte zu einer stattlichen Spielzeit von über einer Stunde. Außerdem hat Miny Parson ihren ohnehin schon saumäßig guten Gesang noch weiter verbessern können. Diese Dame hat wohl Stimmbänder aus Stahl, sie ist aber in der Lage, nicht nur zu schreien und ihre volle Power auszuspielen, sondern auch für die leiseren Töne ist sie sehr gut (beim leisen, fast schon zarten Strophengesang in Sleeping Witch könnte ich mir jedes Mal in die Hose kacken). Zu einem Teil lebt dieses Album auch von seinem Gesang, das muss man schon sagen. Aber der Gesang ist eben präsent und macht das Album zu einer unterhaltsamen Angelegenheit. Das Resultat kann sich wirklich sehen lassen, mit dieser Band ist wohl (hoffentlich) noch zu rechnen.
http://www.youtube.com/watch?v=I8JDCgHCXV4
http://www.youtube.com/watch?v=f73QnDHgnbY

Sinister – The Carnage Ending
Sinister haben nun auch schon einige Jahre hinter sich und einige Höhen und Tiefen erlebt. Die Blütezeit war ganz klar in den frühen 90er-Jahren. Die ersten drei Alben sind allesamt Genreklassiker und gehören zum Besten aus dem DM-Bereich. Mit dem Ausstieg des Originalsängers folgte allerdings ein lang dauernder Absturz, der sogar bis zur zeitweisen Auflösung führte. Auch die wiedervereinten Sinister konnten mich zunächst mit dem 2006er-Album Afterburner nicht begeistern (was zum Teil auch an der wie immer fürchterlichen Produktion von Andy Classen lag – kann der sich nicht mal eine andere Arbeit suchen und nicht andauernd Musik verderben??), mit The Silent Howling kam aber endlich mal wieder ein bärenstarkes Album raus, dessen Stärke die Originalität war: An die alten Klassiker anknüpfen zu wollen, machte einfach keinen Sinn, deswegen richtete man die Musik deutlich progressiver aus und konnte ein eigenständiges Album veröffentlichen. Leider ging es auf der Folgeplatte so aber nicht weiter, außerdem krankte Legacy of Ashes mal wieder an einer misslungenen Produktion. Nun aber zur aktuellen Platte: Die Produktion ist schon mal deutlich besser, leider ist das aber auch der einzige richtig positive Punkt, den ich feststellen kann. Denn Sinister wagen keinen zweiten Versuch Richtung Originalität, sondern zocken sehr klassische DM-Nummern runter. Handwerklich ist das alles sehr gut und routiniert gemacht und man merkt sofort, dass die Band erfahren ist und weiß, was sie tut. Hier liegt aber auch der sprichwörtliche Hund begraben: Die Riffs, so gut sie an sich auch sein mögen, formen Songs, die man so in der Art schon oft gehört hat. Das macht keine schlechte Platte, aber lässt die Frage offen, wer dieses Album denn überhaupt noch braucht, zumal es gerade von dieser Band einfach viel bessere Alben gibt. Ich habe mir The Carnage Ending nicht gekauft, weil ich es ohnehin nicht gehört hätte, sondern immer zu den ersten drei Platten oder The Silent Howling gegriffen hätte. Dass es nicht mehr geworden ist, ist deswegen schade, weil die Band vor vier Jahren deutlich gezeigt hat, dass sie auch anders kann. Bleibt zu hoffen, dass sie es beim nächsten Album vielleicht noch mal versuchen.
http://www.youtube.com/watch?v=9tEQNzPGUUE

Spawn of Possession – Incurso
Lange sechs Jahre dauerte es, bis das neue Album erschien. Diese noch relativ junge Band hatte mit Cabinet und Noctambulant bereits sehr stark vorgelegt und schafft es nun sogar, diese beiden Alben zu übertreffen. Es wird weiterhin technischer, temporeicher und brutaler Death Metal geboten, die Ausrichtung ist jedoch deutlich progressiver und die Songs sind noch komplexer, was vielleicht auch daran liegt, dass Christian Münzner, der Gitarrist von Obscura, bei Spawn of Possession eingestiegen ist. Insgesamt sind die Songs auch etwas melodischer geworden, wobei die Melodien immer noch sehr zurückhaltend sind. Die lange Wartezeit hat sich definitiv gelohnt, denn Spawn of Possession sind auf ihrem neuen Album so stark wie noch nie.
http://www.youtube.com/watch?v=Zl1yCKOQQO8

Vorfreude:
Cult of Luna
Necrophobic (wann wird das den endlich mal was?)
Unanimated (idem)
Tribulation (na endlich!)
Repugnant (idem)
Kongh
Ulcerate
Mors Principium Est

In diesem Jahr gab es auch viele Bands, die 2012 gar nichts veröffentlich haben, die ich aber in diesem Jahr für mich entdeckt habe. Hier noch einige Worte dazu.

Über allem stehen in dieser Kategorie Spaceship Landing mit ihrer selbstbetitelten Platte, die nun neu veröffentlicht wurde. Die Band bietet großartigen Stoner Rock, der größtenteils instrumental gehalten ist (der spärlich eingesetzte Gesang ist, wenn er denn mal kommt, stark im Hintergrund und eher ein weiteres Musikinstrument), über eine Spieldauer von über 80 Minuten. Bei der Neuveröffentlichung gibt es drei Bonustracks, leider fehlt aber der kurze Song Pannbacker, der auf dem Original enthalten war. Die heute nicht mehr existierende Band übertrifft auf diesem Album, das leider ihr einziges ist, ihre Vorbilder mit großer Leichtigkeit (und dazu gehören mit Sicherheit Kyuss, nicht nur wegen des Bandnamens, einfach mal in den Song Still Hanging reinhören). Es ist dies für mich eines der größten Stoneralben überhaupt.
http://www.youtube.com/watch?v=d8W-GKWr5VQ
http://www.youtube.com/watch?v=rjYPXJQwR4I

Todtgelichter fand ich immer langweilig. Im Sommer habe ich noch mal in ihr letztes Album Angst reingehört und komme seitdem davon nicht mehr los. Mit Black Metal hat es nicht viel zu tun, viele rockige Elemente gibt es hier. Der Gesang ist brutal, dazu kommt aber auch Klargesang (Sängerin und Sänger) und ein Albumkonzept und Texte, die gut sind (was nicht oft passiert). Es geht um die Stadt und was sie aus einem Menschen so alles macht oder machen kann und um ihre verschiedenen Facetten. Abgerundet wird das Album von dem ruhigen, verhaltenen, aber sehr wichtigen Outro Allmählich. Wichtig erscheint es mir, weil es dieses Stadtbild noch einmal perfekt vertont. Angst ist eine Platte, in die man sicher nicht leicht reinfindet, aber es lohnt sich definitiv!
http://www.youtube.com/watch?v=wqtJTUnsKiI

Auch Fu Manchu konnte ich nie etwas abgewinnen, zu simpel schienen mir Musik und der „Gesang“ zu sein. Nun hat die Band aber gezündet und ihre Musik begeistert mich. Da die Musik so einfach gehalten ist, kann man sie auch in jeder Situation hören, es macht immer Spaß. Am besten gefallen mit Daredevil, In Search of…, Godzilla/Eating Dust und The Action Is Go (leider mit einer etwas zu sauberen Produktion). Gut sind auch noch King of the Road und das (teilweise etwas seichte) California Crossing, die anderen Alben sagen mir weniger zu.
http://www.youtube.com/watch?v=fAUMblzg70w

Auf Dozer wurde ich durch die Split mit Unida aufmerksam, nach einer kürzeren Reinhörphase konnte die Band mich richtig begeistern, jedenfalls die letzten drei Alben. Hier wird sehr unterhaltsamer Stoner Rock geboten mit viel Power, aber auch leiseren und melancholischen Tönen, die vor allem der Sänger verursacht. Eine schöne Mischung, da ist es schade, dass die Band derzeit auf Eis liegt.
http://www.youtube.com/watch?v=vwdZU9NBAno

Schließlich kommen in diese Kategorie noch Clutch. Auf die Band wurde ich durch die High Volume-Compilation aufmerksam, darauf gibt es den Song Willie Nelson. Am stärksten finde ich Clutch auf Blast Tyrant. Die Musik ist energiegeladen und über allem thront der raue, tiefe und mächtige Gesang. Am besten gefallen mir die Songs The Mob Goes Wild, The Regulator und Ghost.
http://www.youtube.com/watch?v=aFwBGEqcUec
http://www.youtube.com/watch?v=Ia0HUBWdDkU

Jetzt ist der Post etwas lang geworden, hoffentlich liest das alles überhaupt jemand, sonst war alles umsonst.^^

--

Wurstberge sind auch juristisch schwer einzuordnen.